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Die Alhambra in Granada


gaeatravel - April 19, 2024 - 0 comments

Alhambra

Die Alhambra ist eine Palaststadt in Granada, die zu den meist besuchten Monumenten Spaniens gehört. 2023 besuchten 2,6 Millionen Gäste diesen einzigartigen Baukomplex, der aus verschiedenen Palästen, einer grossen Gartenanlage und einer Burg besteht.

Der Bau der Alhambra, deren Name soviel wie „die Rote“ bedeutet, geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als die christlichen Gruppen, die immer weiter in den Süden vorrückten, den Despeñaperros-Pass bei Jaén überquerten und die ersten Städte im heutigen Andalusien eroberten. Dadurch wurde diese Gegend für die muslimische Bevölkerung immer unsicherer. Während der christliche König Ferdinand III., der Heilige, die Guadalquivir-Ebene in Angriff nahm und 1236 Córdoba und 1248 Sevilla eroberte, kam es in Granada noch einmal zu einer Hochblüte unter der Nasriden-Dynastie, die in Granada ihre Residenz errichteten. Man konnte im nasridischen Königreich, das sich – zu Beginn – im Westen von Tarifa und im Osten bis über Almería hinaus estreckte, noch fast 250 Jahre länger in Frieden leben, da man eine Kopfsteuer zu zahlen hatte und den christlichen König als Oberhaupt anerkennen und ihm Wehrhilfe leisten musste. So kam es, dass 1248 der Begründer der Nasriden-Dynastie Ibn Nasr gegen seine eigenen Glaubensbrüder in den Krieg ziehen musste und gezwungen war, mit dem christlichen König Ferdinand III. die Stadt Sevilla zu bekämpfen. Als er nach diesem Sieg wieder nach Granada zurückkehrte, wurde er als der grosse Sieger gefeiert und er sprach daraufhin diesen Satz „Es gibt keinen Sieger ausser Allah“, der zum Motto der Nasriden wurde.

Im 13. Jahrhundert wurde aus Verteidigungsgründen auf dem Sabika-Hügel die Alcazaba errichtet – eine Burganlage, die heute den ältesten Teil der Palaststadt Alhambra bildet. Hier hatten die Soldaten ihre Unterkünfte, und von den vielen Türmen aus hatten sie einen hervorragenden Überblick über die Ebene Granadas. Für die Wasserversorgung, im Falle einer Belagerung, diente eine grosse Wasserzisterne, die sich heute zwischen der Alcazaba und den Palästen unter dem Platz Plaza de los Aljibes befindet.

Die Herrscher der Nasridendynastie, die als Sultane bezeichnet werden, liessen nach und nach neben der Alcazaba ihre Paläste errichten, wodurch die Alhambra stetigen Veränderungen und Vergrösserungen unterworfen war. Um diese Paläste schneller bauen und bewohnen zu können, verwendete man einfache Materialien wie Ziegel, Holz und Stuck. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen über die ursprüngliche Funktion der Räume, aber zahlreiche Gedichte, die in Stuck in die Wände eingelassen wurde, geben einen Hinweis auf ihre Bestimmung. In der Alhmabra existieren etwa 10.000 Inschriften, vor allem in Form von Gedichten, Sprüchen und Korantexten, die alle in klassichem Arabisch gehalten sind.

Während der Mexuar – der erste Palast – zu Beginn des 14. Jh. gebaut wurde, wohnte der Sultan in einem der Türme der Alcazaba. Der Mexuar vereinte mehrere Funktionen in sich: er diente als Thron-, aber auch Versammlungs – und Gerichtssaal. Die Lichtquelle dieses Saales kam von der Decke. Von einer hohen Tribüne, die durch ein Holzgitter abegrenzt war, konnte der Sultan  – ohne gesehen zu werden – den Gerichtsverhandlungen beiwohnen. Der Boden war aus Tonplatten und die Wände im unteren Bereich mit wunderschönen, kleinteiligen Fliesenmosaiken verziert, wie z.B. Sterne, die in mehreren Farben zusammengesetzt wurden. Der obere Bereich der Wände war mit Stuckplatten versehen, die aus Marmor-, Gips- und Alabasterstaub bestehen, die, vermischt mit Eiweiss, in Schablonen gepresst wurden. So entstanden vielfältige, ursprünglich polychromierte Verzierungen, die eines gemeinsam haben. Die ständige Wiederholung des Mottos der Nasriden „Es gibt keinen Sieger ausser Allah“. Anschliessend an diesen Raum findet man einen kleinen Gebetssaal, mit Ausblick auf das maurische Stadtviertel Albayzín, in dem sich der Herrscher zurückziehen konnte, um seine Gebete zu verrichten.

In christlicher Zeit wurde der Mexuar in eine Kapelle umgewandelt. Es wurden Fenster in die Aussenmauer eingelassen, ein erhöhter Chorberreich mit Holzbalustrade errichtet und darunter der Fussboden gesenkt. Der Altar wurde von zwei grossen Fliesenbildern mit dem Wappen Karls V. eingerahmt  – die beiden Herkulessäulen mit dem Spruchband „Plus Ultra“. In dem kleinen Gebetssaal wurde die Sakristei eingerichtet.

Durch eine schmale Tür, die aus Sicherheitsgründen so eng angelegt war, dass nur eine Person hindurch passte, gelangt man in den Patio des Mexuar – ein Innenhof, in dem der Herrscher Bittsteller empfing. Diese konnten – bis der Herrscher zu seiner Audienz erschien – in einem überdachten Raum, dem sogenannten „Cuarto Dorado“ (Vergoldeter Raum)  auf ihn warten. Dieser Raum ist mit einer wunderschönen Zedernholzdecke versehen, die in christlicher Zeit zum Teil vergoldet wurde, wodurch der Raum seinen heutigen Namen erhielt. Eine Gittertür im Hof führte zu einem unterirdischen Korridor, der von der Palastwache benutzt wurde, um den Sultan zu schützen. Vor der mit Gipsornamenten dekorierten Fassade, die im 14. Jh. von Mohammed V. errichtet wurde, wurde der Thron aufgestellt. Aus Sicherheitsgründen waren zwei Türen in diese Wand eingelassen, dass – im Falle eines Angriffs – die Feinde, die die Architektur der Alhambra nicht kannten, nicht wussten, was sich hinter diesen Türen befand. Nur die linke Tür, die in einen rechtwinklig angelegten Verteidigungsgang übergeht, führte weiter in den Palastbereich hinein.

Nun erreicht man den lichtdurchfluteten Innenhof des Myrtenhofes mit seinem grossen Wasserbecken, der von Myrtensträuchern eingerahmt wird. Dies ist ein Beispiel für die typisch hispano-muslimische häusliche Architektur: ein Innenhof unter freiem Himmel mit einer Wasser- oder Grünanlage, in dem sich das Familienleben konzentrierte. Der Patio wird von mehreren Zimmern umgeben, die zum Wohnbereich gehörten. Durch das Wasser, die Pflanzen und den offenen Himmel konnte die Natur in das Innere des Palastes gebracht werden, die für ein besonderes Mikroklima sorgte und Feuchtigkeit, Belüftung und Düfte in den Palast brachten. Diese Natur sollte an die Oasen in der Wüste erinnern und einen Vorgeschmack auf das Paradies vermitteln.

Betritt man den Myrtenhof so sieht man linkerhand den sogenannte Comares-Turm, in dem sich der Thronsaal der Sultane befand. Die Botschafter, die bis zum Sultan vorgelassen wurde, musste nach rechts gehen, um dort auf ihre Audienz zu warten. Sie hatten vom kurzen Ende des Wasserbeckens einen wunderschönen Blick auf den Comares-Turm, dessen Portikus mit seinen durchbrochenen Bogenarkaden sich bei sonnigem, windstillem Wetter auf der Wasseroberfläche spiegelte, wodurch man in der damaligen Zeit vom Wunder der „schwebenden Paläste“ der Alhambra sprach. Laut der romantischen Ansicht des 19. Jh. befand sich in diesem Bereich der Harem, aber die jüngere Forschung siedelt hier die Bildungs-und Wohnstätte der zukünftigen Sultane an. Dieser Ort, mit dem vorgelagerten Wasserbassin, diente als Vorbild für den Taj Mahal, der im 17. Jh. gebaut wurde. In christlicher Zeit wurde dieser Bereich stark verändert, da hinter ihm der Palast Karls V. errichtet wurde.

Faszination Nasridenpalast

Als die Stunde gekommen war, in dem die Botschafter zum Thronsaal vorgelassen wurden, durchquerten sie die Sala de la Barca, nicht nach der Decke genannt, die so oft als umgedrehter Schiffsrumpf angesehen wird (Schiff im Spanischen heisst „barco“), sondern die nach dem arabischen Wort für „Segen“ – baraka – bezeichnet wurde. Hier wurde göttliche Hilfe für einen neuen Sultan erfleht, bevor er vom Thron im benachbarten Thronsaal Besitz ergriff. Im Eingangsbereich sind zwei kleine, aufwendig gearbeitete Nischen in die Wand eingelassen, die für Öllampen oder Blumenvasen vorgesehen waren.

Nun betraten die Gesandten den dunkel gehaltenen, quadratischen Botschafter- oder auch Thronsaal, der von 12 Alkoven umgeben ist, die mit Holzgittern und bunten Gläsern versehen waren. Der Thron befand sich in der Alkove gegenüber dem Eingang, wodurch der Sultan von einer farbigen Aureole umgeben wurde, was die Gesandten beeindrucken sollte. Eine prächtige, zum Teil noch mit Originalfarben versehene Holzdecke, die aus 8.017 Teilen besteht, repräsentiert durch 105 Sterne die 7 Himmel zu denen die 4 Paradiesflüsse, angedeutet durch die Diagonalen in den Ecken, führen. Die Wände sind auch hier mit wunderschönen Stuckarbeiten versehen, in denen Gedichte und Koransuren zu lesen sind, aber auch immer wieder das Motto der Nasriden zu finden ist.

Durch eine kleine Tür im Myrtenhof erreicht man den vielleicht berühmtesten Palast der Alhambra mit seinem Löwenbrunnen in der Mitte. Seine Gemächer sind um einen rechteckigen Hof angeordnet, in dessen Mitte statt des typischen Wasserbeckens der Brunnen steht. Die beiden Pavillons an den kürzeren Seiten des Hofes erinnern an Beduinenzelte. Dieser Palast war der private Bereich des Sultans, der Harem, was soviel wie „privater Ort“ bedeutet. In seinen vier Hauptsälen wurden Feste oder musikalische Darbietungen abgehalten. Von jedem der vier Räume fliesst ein kleiner Bach in einer Rinne zum Zentrum des Hofes, was wiederum den vier Paradiesflüssen entspricht. Im Obergeschoss waren weitere Gemächer für das alltägliche Palastleben eingerichtet, deren Fenster zum Innenhof – zum inneren Garten – führten, wie es der muslimischen Idee des Paradieses entspricht.

Beim Eintreten in diesen Saal verblüfft als Erstes die Galerie, die durch einen Säulenumgang von 124 Säulen um den ganzen Hof angebracht ist. Obwohl in ihr Ähnlichkeiten mit Mudéjar-Kreuzgängen gesehen wurden, funktioniert sie in Wirklichkeit als äusserer Verbindungs- und Verteilungskorridor zu den verschiedenen Zimmern dieses Palastes. Die nasridische Dekoration erreicht hier eine ungewöhnliche Pracht: durchbrochene Mauerabschnitte, als handle es sich um Spitzenstoff, feine Säulen und exquisite Gipsarbeiten an den Wänden, ebenso wie farbenprächtige Kacheln und Decken mit Stalaktitengewölben bilden eine Vollkommenheit der Proportionen.

Der Löwenbrunnen integriert die Natur in die Architektur. Die Löwen sind eine der wenigen Tierskulpturen, die in der islamischen Kunst zu finden sind. Die Löwen stehen mit dem Rücken zum Brunnen, in einer bewusst symbolischen Bereitschaftshaltung, auf die kleinste Geste oder Befehl des Sultans wartend. Sie sind ein Symbol der Macht, wodurch der Brunnen zu einer Allegorie der Macht des Sultans wird.

Man geht gegen den Uhrzeigersinn und erreicht die drei wichtigsten Räume, die um diesen Hof angeordnet sind. Zuerst trifft man auf die Sala de los Abencerrajes mit einer wunderschönen Stalaktitendecken und dem üblichen Fliesensockel und zwei Seitenalkoven.

Folgt man dem Säulenumgang erreicht man den Königssaal, die Sala de los Reyes, benannt nach den Malereien, die in den Alkoven angebracht sind. Es handelt sich hierbei um Malereien auf Tierhaut, die an den Decken der jeweiligen Alkoven befestigt wurden. Es sind höfische Szenen mit Rittern und Damen dargestellt, wie ein Wettbewerb zwischen christlichen und moslemischen Rittern und in der Zentralkuppel sieht man eventuell die ersten Sultane der Nasridendynastie, auf Kissen sitzend, die sich in angeregtem Gespräch befinden – nach ihnen wurde der Saal benannt.

Nun erreicht man den Saal der zwei Schwestern, benannt nach zwei grossen weissen Marmorplatten auf dem Boden. Man betritt diesen Saal durch ein prächtiges Holztor aus zwei Flügeltüren, deren Originale noch im Alhambra-Museum zu bewundern sind und die ein Meisterwerk der nasridischen Zimmermannskunst ist. Dieser Raum ist von seiner Anordnung ähnlich dem Abencerrajes-Saal, aber geräumiger und reicher dekoriert. Vor allem seine Stalaktitenkuppel ist ein Traum aus Stuckprismen, ein achteckiger Stern auf dessen Trommel sich eine Serie von Doppelfenstern befindet, die den Übergang zum quadratischen Grundriss des Saales löst. Angrenzend an diesen Saal findet man eine kleine Alkove, die ursprünglich ein Aussichtspunkt war, dessen Ausblick sich über einen Garten hinweg bis zur nördlichen Mauer der Palaststadt erstreckte und einen Blick auf den Darro-Fluss und das Albayzín freigab. Deswegen wurde dieser kleine Saal Mirador de Daraxa o Lindaraja genannt, was soviel wie die „Augen der Aixa“ bedeutet. Es handelt sich hier sicherlich um einen der schönsten Winkel der Alhambra, wenn auch heute der Blick auf einen von Mauern abgegrenzten Renaissance-Garten fällt. Hier findet man noch eine Decke mit originalen bunten Glasfenstern, die in eine gewölbtes Holzgerüst eingefügt sind.

Nachdem Boabdil, der letzte maurische Herrscher, die Alhambra den Katholischen Königen übergab, nahmen sie von der Alhambra Besitz und bestimmen Gelder zur Vermeidung grösserer Schäden. Nach der Rückeroberung von Granada 1492 begann ein umfangreiches Bau- und Renovierungsprogramm, um den Verfall nach der langen Belagerungszeit aufzuhalten. Sie respektierten die Paläste, deren Dekoration und Symbole der Nasriden, wollten jedoch auch ihren Stil und Symbolik den von ihnen bewohnten Bereichen aufprägen. Ihr Enkel Karl V. besuchte die Alhambra 1526 mit seiner Gemahlin Isabel von Portugal und ordnete den Bau von einigen Räumen um die moslemischen Paläste an, die heute als die Gemächer des Kaiser bezeichnet werden. Die Alhambra machte einen so guten Eindruck auf illustre Gäste, dass der Kaiser beschloss, hier in der Alhambra seinen kaiserlichen Palast und in Granada in einer neuen Kathedrale das Pantheon der Dynastie zu errichten. Während der Palast Karls V. im Bau war, wurden sechs neue Gemächer für den Kaiser hergerichtet.

Verlässt man den Saal der zwei Schwestern kommt man in diesen Wohnbereich des Kaisers, in dem man die typischen Symbole des Kaisers, die Herkulessäulen, den Wahlspruch Plus Ultra, die Kaiserkrone  und den doppelköpfigen Adler der Habsburger sehen kann. An das Arbeitszimmer des Kaiser angrenzend, der durch einen grossen Kamin und eine Kassettendecke im Renaissancestil gekennzeichnet ist, findet man die Schlafgemächer des Kaisers und den Peinador de la Reina (Frisierzimmer der Königin), der in einem Turm untergebracht ist. In ihm wurde ein intimer Pavillon errichtet, in dem man Wandmalereien findet, die mythologishe Szenen zeigen, ebenso wie die Landung der kaiserlichen Armada in Tunesien 1535.

Vielleicht der schönste Garten in Andalusien

Über eine Galerie, von der aus man einen wunderschönen Blick auf das Albayzin hat, erreicht man den Lindaraja-Hof mit seinem Renaissancegarten, der sich genau unterhalb des Aussichtspunktes Mirador de Lindaraja befindet. Bis zum 16. Jh. befand sich hier ein zur Landschaft offener Garten, der durch den Bau der Gemächer des Kaisers geschlossen wurde.

Man verlässt nun diesen Garten und erreicht den sogenannten Partal: Hier befand sich in früherer Zeit ein weiterer Sultanspalast. Von dieser Residenz sind heute nur noch Reste erhalten. Nach der Rückeroberung fielen die Häuser dieses Bereiches in private Hände, bis der Staat sich nach und nach seit dem 19. Jh. rückerwerben oder enteignen konnte, um sie in das Denkmalensemble einzufügen. Es handelt sich hierbei um ein Gebiet, das in den 30er Jahren des 20. Jh. am stärksten verändert wurde. Es wurden Mauern und architektonische Elemente in ihn integriert und eine Begrünung vorgenommen. Hier findet man ein paar einzelne Häuser, die ursprünglich auf einen gemeinsamen Hof hinausführten. Hierbei ist vor allem der Palacio del Pórtico zu erwähnen, dessen Portikus mit fünf Bögen sich zum Garten mit einem grossen Wasserbecken öffnet. Man findet hier die gleiche Dekoration wie in den anderen Palästen – einen Fliesensockel, grossflächige Gisparbeiten und eine Holzdecke in einem Turm, der zu diesem Gebäude gehört, die sogennannte Torre de las Damas. Dieser Turm diente als Observatorium, da sich hier die Fenster in die vier Himmelsrichtungen öffnen, typisch für die Nasridenkunst: Der Sultan war bekannt für seine Vorliebe für Astronomie. Hier befand sich eine der ältesten Holzdecken der Alhambra. Die Torre de las Damas wurde zusammen mit dem Palast in christlicher Zeit in ein Wohnhaus umgewandelt und hat über die Jahrhunderte hinweg viele Veränderungen erfahren. Als Ende des 19. Jh. das Gebäude in das Ensemble der Alhambra integriert wurde und der letzte Eigentümer – Arthur von Gwinner – seinen Eigentumstitel an den spanischen Staat abtrat, montierte er jedoch diese Holzdeck ab. Anfang des 20. Jh. tauchte sie in Berlin auf und ist heute im Pergamonmuseum zu sehen.

Auf diesem weitläufigen Platz findet man auch eine kleine Moschee aus dem 14. Jh. Verschiedene Terrassen zeigen archäologische Ausgrabungen eines Gartenbereiches, dessen Struktur der ansteigenden Terrassen an die Palaststadt Medina Azahara bei Córdoba erinnert, die während des Kalifats von Córdoba im 10. Jh. errichtet wurde und grossen Einfluss in der hispano-muslimischen Welt hatte.

Auf einer weiteren Terrasse befindet sich die Rauda, der Friedhof der Sultane, ein zum Teil bedeckter und als Garten gestalteter Friedhof: hier hat man Grabsteine verschiedener Sultane gefunden, die in der Alhambra regierten. Rauda heisst soviel wie Garten. Sie wird immer neben der Hauptmoschee und dem Palast angelegt. Der Islam schreibt der Beziehung zwischen Grabstätte und Umwelt eine besondere Bedeutung zu – sie dient als Vorstufe zum Paradies, weswegen einige Gräber ohne Bedachung gelassen wurden, um den Kontakt mit der Natur sicherzustellen.

Der dritte und letzte grosse Bereich der Alhambra ist der Generalife, eine Villa mit Gärten, die von den muslimischen Sultanen Granadas als Rückzugs- und Erholungsgebiet bewohnt wurden. In dieser ländlichen Villa vermischen sich Zier- und Nutzgärten mit Architektur. Der Ursprung des Namens geht auf das arabische Yannat al-Arif zurück, was als „Garten des Architekten“ übersetzt wird, womit Allah, der Schöpfer aller Dinge, gemeint ist. Diese Villa und ihr Garten befanden sich ausserhalb der Mauern der Alhambra. Der Palast wird wegen seiner ältesten Dekorationselemente auf das Ende des 13. Jh. datiert. Er wurde zusammen mit der Alhambra 1984 von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Der Generalife war einerseit ein Erholungsgebiet der nasridischen Sultane, aber auch ein Gebiet, das für die Landwirtschaft benützt wurde. Die Nasridensultane besassen über ihr Territorium verstreut sogenannte Almunias, deren Zweck die landwirtschaftliche Nutzung und Viehzucht war. In ihr gab es immer ein Wohnaus oder einen Ruhepavillon. Das gesamte Gut wird von dem Wasserkanal Acequia del Rey versorgt, der auch die Alhambra mit Wasser versorgte. 1492, als die Katholischen Könige von Granada Besitz nahmen, behielten sie sich die herausragenden Räume der Alhambra vor und teilten den Rest der Palaststadt zwischen den Adligen des Hofes, Befehlshabern des Heeres, Klerikern und den einfachen Soldaten auf. Das Gleiche passierte mit dem Generalife – 1826 begann der Finanzbeamte des Privatvermögens König Fernandos VII. ein gerichtliches Verfahren, das Generalife-Prozess genannt wurde. Dieser Rechtsstreit dauerte fast ein Jahrhundert. 1921 wurde seine Eingliederung in den nationalen Kulturbesitz bestimmt und seine Verwaltung mit der Alhambra vereint.

Der Weg zur Gartenvilla führt über das Freilichttheater, das 1952 für das Internationale Festival für Musik und Tanz errichtet wurde, das jedes Jahr im Juni und Juli hier stattfindet, und die „Neuen Gärten“. Der sogenannte Zypressenweg, der 1931 gepflanzt wurde, immitiert durch seine offenen Bögen Architektur: er nimmt das typische inspirierte Kreuzschema der islamischen Gärten mit einem Wasserbecken in der Mitte auf. Daran anschliessend das Labyrinth des Rosengartens. Auch findet man hier Gemüsegärten, die in den 30er bis 50er Jahren des 20. Jh. an Stelle eines Olivenhains angelegt wurden.

Der Zugang zum Palast führt über zwei Innenhöfe, die über eine enge Treppe verbunden sind, wodurch Intimität geschaffen wurde. In der ersten Terrasse war der sogenannte Absteigepatio, mit einer Bank, um das Absteigen vom Pferd zu erleichtern. Hier waren evtuell auch Stallungen untergebracht. Die zweite Terrasse führt zu einer steilen Treppe. Daran anschliessend ein Raum für Wachen, die den Zugang zum Palast kontrollierten.

Nun erreicht man den Patio de la Acequia, benannt nach dem länglichen Wasserbecken in seiner Mitte. Hier findet man wieder das tyische arabische Schema eines viergeteilten Patios. Im 19. Jh. wurden zu beiden Seiten des Beckens Springbrunnen hinzugefügt, deren Wasserstrahle sich kreuzen – ein Schauspiel, das den Innenhof so populär gemacht hat. In der Mitte des Beckens liegt ein kleiner runder Platz, der für eine Vierteilung der Gartenbeete sorgt. Dieser Patio war ursprünglich mit Mauern nach Aussen verschlossen, um die Intimität der Herrscherfamilie zu schützen, es wurde als ein „geschlossenes Paradies“ angesehen. Nur ein kleiner Pavillon diente als Ausblick auf die Alhambra und ihre Umgebung. Zur Zeit der Katholischen Könige wurde die geschlossene Aussenmauer geöffnet, um als Belvedere zu dienen.

Am Endes dieses Innenhofes erreicht man einen vorgelagerten Portikus der zum Könglichen Saal führte. Auch hier findet man Bogen mit Säulen und Kapitellen mit Stalaktitengewölben aus Gips. Von hier aus hat man einen hervorragenden Ausblick auf die Umgebung. Die Dekoration ist in diesem Saal etwas schlichter gehalten als in der Alhambra, da sie als ländliche Ruhestätte gedacht war. In christlicher Zeit bekam dieser Königssaal ein Obergeschoss.

Nun erreicht man den Patio der Zypresse der Sultanin. Laut der Legende trafen sich hier die Frau Boabdils und ein Ritter der Abencerrajes-Familie. Dieser Innenhof wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert, je nach Geschmack der jeweiligen Besitzer. Von der ursprünglichen Anlage ist nur der Wasserfall des königlichen Kanals, Acequia Real, erhalten.

Eine weitere Treppe führt zu den oberen Gärten des Palastes, die nach Geschmack des 19. Jh. begrünt wurden. Eine Wassertreppe, die in nasridischer Zeit zur Erquickung der Sinne angelegt wurde, führte zu einer kleinen Moschee, die sich auf dem Hügel befand. Als Handlauf dieser Treppe dienen zwei Wasserkanäle, die aus Dachziegeln bestehen. Das Plätschern des Wassers hat eine beruhigende Wirkung und die Umgebung wird mit Luftfeuchtigkeit versehen. Es handelt sich hierbei um einen schattigen, kühlen Platz, der auch für die rituellen Waschungen vor dem Gebet diente,  wodurch er zum Sahn einer Moschee wurde. Heute befindet sich auf dem höchsten Punkt ein romantischer Aussichtpunkt, der im 19. Jh. angebracht wurde.

Man verlässt den Generalife über den Oleanderweg (Paseo de las Adelfas).

Die grösste Veränderung, die in der Alhambra zu christlicher Zeit vorgenommen wurde, war sicherlich der Bau des Palastes Karls V. Karl V. war der Enkelsohn der Katholischen Könige, der Sohn ihrer Tochter Johanna (die Wahnsinnige genannt) und derem Mann Philipp, der Schöne, der Sohn Maximilians I. von Österreich, wodurch die Habsburger Linie nach Spanien kam. Karl V. plante diesen Palast als seine Residenz, vor allem wegen der wichtigen historischen und symbolischen Bedeutung: die Stadt Granada war von seinen Grosseltern 1492 eingenommen worden, womit die christliche Rückeroberung der gesamten Iberischen Halbinsel abgeschlossen worden war. Die Wahl der Alhambra für seinen Palast bedeutete den Triumph des Christentums über den Islam, weswegen auch die alten nasridischen Paläste erhalten werden mussten. Der Palast des Kaisers besteht aus drei geometrischen Figuren, einem Quadrat – als Symbol der irdischen Welt mit ihren vier Himmelsrichtungen, einem Kreis im Inneren des Gebäudes – als Zeichen der Unendlichkeit Gottes, und einer achteckigen Kapelle, einer Nachbildung der Pfalzkapelle in Aachen, die von seinem Vorgänger Karl dem Grossen errichtet wurde, und die die politische und religiöse Erneuerung der damaligen Zeit symbolisierte. Der Palast wurde als Symbol des universellen Friedens konzipiert, als neue Ara Pacis (Friedensaltar), mit dem der Kaiser, der in einer feierlichen Zeremonie vom Papst gekrönt wird, erklärte, dass damit ein neuer und für ihn endgültiger universeller Frieden geschaffen und der Krieg abgeschafft wurde.

Dieser Palast wurde im Renaissance-Stil errichtet, der damals neu aus Italien kam. Die Hauptfassade, die am meisten verziert wurde, zeigt zu beiden Seiten des Eingangs Reliefs, die auf den Krieg und die Abrüstung hinweisen. Am Hauptportal sieht man kleine Engel mit Fackeln in den Händen, die Kriegsgeräte verbrennen. Das Hauptportal zeigt eine Schlacht (eventuell die von Mühlberg oder Pavia), in der Karl V. zu Pferd erscheint und den endgültigen Sieg unterstreicht. Der Reichsapfel zwischen den Säulen des Herkules, flankiert von Engeln, die Palmenzweige tragen, beglaubigt die universelle frohe Botschaft. Im Obergeschoss findet man grüne Marmormedaillons, die Szenen aus dem Leben Herkules zeigen.

Es ist schwierig, die Alhambra mit Worten zu beschreiben. Man muss sie sehen, die Harmonie ihrer Vielfältigkeit mit den Augen abtasten, man muss sich Zeit nehmen, ihre versteckten Plätze und Ecken aufzusuchen und deren Schönheit auf sich wirken lassen; erst dann wird man ihre Einzigartigkeit und Besonderheit erkennen und schätzen.

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gaeatravel

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