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Hieronymitenkloster (Kloster Santa Maria de Belém) in Lissabon


gaeatravel - Juni 10, 2024 - 0 comments

Das Kloster Santa Maria de Belém

Das Kloster Santa Maria de Belém (port.: Mosteiro dos Jerónimos de Santa Maria de Belém) wurde Ende des 15. Jahrhundert von König Manuel I. in Auftrag gegeben und dem Hieronimytenorden übergeben, eine religiöse Gemeinschaft, die bis zum Aussterben des Ordens 1834 in diesen Räumen lebte. Sie sollten für die ewige Seele des Monarchen beten und den Seeleuten, die vom Hafen von Restelo aus in See stachen, um die Länder der Welt zu entdecken, geistlichen Beistand leisten. Danach ging das Gebäude in den Besitz des Staates über.

Als Höhepunkt der manuelinischen Architektur – eine portugiesische Variante der Spätgotik –  ist dieses Kloster eine Hommage an das goldene Zeitalter der Entdeckungen, da Manuel I. seinen Bau zum Gedenken an die Rückkehr Vasco da Gamas aus Indien in Auftrag gab. Es handelt sich hierbei um den bemerkenswertesten portugiesische Klosterkomplex seiner Zeit und eine der wichtigsten Hallenkirchen Europas. Der Bau des Klosters begann Anfang des 16. Jahrhunderts und dauerte hundert Jahre, geleitet von einer bemerkenswerten Gruppe einheimischer und ausländischer Architekten und Baumeistern. 1907 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und 1983 zusammen mit dem Turm von Belém in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Am 7. Juli 2007 wurde es zu einem der sieben Weltwunder Portugals ernannt. Eng verbunden mit dem portugiesischen Königshaus und dem Zeitalter der Entdeckungen wurde das Hieronymitenkloster schon sehr früh zu einem Symbol der Nation. Seit 2016 hat es den Status eines nationalen Pantheons. Heute ist es eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Portugals und war 2022 mit über 870.000 verkauften Eintrittskarten das meistbesuchte Denkmal Portugals.

An der Stelle, an der heute das Hieronymitenkloster steht, lag – direkt am Ufer des Tejo – das kleine Dorf Restelo. Dieses Gebiet entwickelte sich unter dem Einfluss des Seehandels und des Schiffbaus, der für den Schutz der portugiesischen Seewege von grosser strategischer und logistischer Bedeutung war, zu einem bedeutenden Handelshafen und Zufluchtsort für Seeleute. Der Hafen am Strand von Restelo war ein vorteilhaftes Gebiet für Seeleute, da er einen sicheren Ankerplatz bot, der vor starkem Wind schützte. Durch die portugiesischen Eroberungen in Afrika und Indien wuchs der Hafen. 1452 liess der Infant D. Henrique (bekannt als Heinrich der Seefahrer) neben einem alten Seemannsheim die Einsiedelei Santa Maria de Belém errichten und übergab sie der Obhut der Christusritter. In diesen Räumen leisteten die Mönche des Christusordens den Seeleuten Hilfe. Heinrich der Seefahrer liess – um die Infrastruktur zu verbessern – Wasserleitungen legen, Häuser für das Pfarrhaus bauen und stellte Land für die landwirtschafliche Produktion zur Verfügung. In dieser Kirche beteten große Seefahrer wie Pedro Álvares Cabral und Vasco da Gama für einen glücklichen Ausgang ihres Unternehmens, bevor sie zu ihren großen Seereisen aufbrachen. Hier empfing König Manuel I. Vasco da Gama bei seiner Rückkehr aus Indien im September 1499 mit allem Pomp des Hofes. Da die Entdeckung des Seeweges nach Indien Portugal an die Spitze der seefahrenden Nationen gerückt hatte, beschloss Manuel I., zum Ruhme dieser Tat und zum Beweise der Grösse Portugals und seiner königlichen Macht, ein Denkmal besonderer Art zu errichten. König Manuel I. bat den Papst um Erlaubnis, an der Stelle der alten Einsiedelei, die  bereits baufällig war, am Eingang von Lissabon und am Ufer des Tejo, ein großes Kloster zu errichten. Dieses wurde später dem Orden des Heiligen Hieronymus übergeben. Es sollte 100 Ordensbrüdern Platz bieten.

Der Bau begann 1502 und dauerte hundert Jahre, wobei der Westflügel und der Glockenturm erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt wurden. Nach einem ersten Entwurf des Architekten Boitaca wurde die Arbeit von anderen Meistern fortgesetzt, insbesondere nennenswert João de Castilho und, in der Mitte des Jahrhunderts, Diogo de Torralva. Ihrem Einfühlungsvermögen und Weitblick an einen künstlerischen Aufbau des Ganzen ist die einheitliche Linie des Gebäudes zu verdanken. Nach der Ankunft der Portugiesen in Indien konnte die portugiesische Krone das Projekt mit Mitteln aus dem Handel mit dem Osten finanzieren. König Manuel I. stellte einen großen Teil der so genannten „Veintena de la Pimienta“ (etwa 5 % der Einnahmen aus dem Handel mit Afrika und dem Osten, was 70 kg Gold pro Jahr entspricht, mit Ausnahme der Steuern auf die Einfuhr von Pfeffer, Zimt und Nelken, die direkt an die Krone gingen) für die Finanzierung der Bauarbeiten zur Verfügung. Die Klosteranlage besteht aus einer hohen, dreischiffigen Hallenkirche mit Querschiff und Empore für den Mönchschor, einem quadratischen Kreuzgang mit Refektorium, Kapitelsaal und Sakristei. Die Gesamtanlage war grösser geplant, aber es schliesst sich nur noch die 185 m lange Halle der Dormitorien nach Westen an.

Unesco - Weltkurerbe

1518 beschloss König Manuel testamentarisch, das Kloster in sein eigenes Pantheon zu verwandeln, um „den außergewöhnlichen Charakter der Monarchie und der mit ihr verbundenen Abstammung als Zweig der Avis-Dynastie“ hervorzuheben. Es sollte den Prinzipien der königlichen Propaganda und der Verherrlichung eines Königreichs entsprechen, das mit seiner Person gleichgesetzt wurde. Insgesamt sind fünf Könige, sieben Königinnen und neunzehn Infanten des Hauses Aviz in diesem Kloster beigesetzt.

Das Gebäude wurde aus Kalkstein errichtet, der in Steinbrüchen in der Nähe des Geländes abgebaut wurde. Die Größe des Vorhabens und der Reichtum der Ausführung führten dazu, dass sich die Arbeiten über hundert Jahre hinzogen. Das Hieronymitenkloster gilt als Höhepunkt der manuelinischen Architektur und vereint architektonische Elemente der Spätgotik und der Renaissance mit einer königlichen, christlichen und naturalistischen Symbolik, die es einzigartig macht. Nachdem der Hieronimytenorden im 19. Jahrhundert ausstarb, wurde in ihm die Real Casa Pia de Lisboa eingerichtet, die Waisenkindern aufnahm und zur Rehabilitierung von Bettlern und Armen diente, die im Kreuzgang wohnten. Danach wurde die Kirche Pfarrkirche der Gemeinde Santa Maria de Belém.

Die Fassade – über 300 m lang, die Kirche und der Kreuzgang dieses UNESCO-Weltkulturerbes sind besonders sehenswert. Die Portale im Süden und Westen sind aufgrund ihres künstlerischen und ikonografischen Wertes hervorzuheben. Beide Portale sind zusammen „als ein Diptychon zu Ehren König Manuels I.“ zu lesen.

An der Südfassade kann man das von João de Castilho entworfene Portal bewundern, eines der bedeutendsten Werke der portugiesischen Spätgotik. Es wird eingerahmt von Fenstern, die wiederum von Steintaubändern, Friesen und durchbrochenen Ornamenten umgeben sind. Das Portal sellbst ist vertikal in zwei Abschnitte unterteilt. Der untere Teil besteht aus einem großen Spitzbogen, der zwei Zugangstüren beherbergt. Das Tympanon weist Flachreliefs auf, die das Leben des Heiligen Hieronymus und das portugiesische Wappen zeigen. Der Bogen wird von einer Skulptur der Jungfrau von Belém gekrönt. Im oberen Teil befindet sich ein rundbogiges Fenster. Beide Teile werden von spätgotischen Ornamenten mit Statuen unter Baldachinen und schlanken Fialen eingefasst.

Seine Struktur erreicht eine Höhe von 32 Metern und eine Breite von mehr als 12 Metern und zeigt insgesamt vierzig Figuren, von denen achtunddreißig auf die Heilsgeschichte und eine auf die Geschichte Portugals verweisen. Spätgotische Fialen flankieren Rundbögen der Renaissance, umgeben von einem Formengeflecht aus Ast- und Blattwerk und Zierblumen. Die Figuren sind nach einer bestimmten Hierarchie angeordnet: Am Fuß des Portals sind die zwölf Apostel dargestellt, darüber Sybillen und Propheten, die die Geburt Christi vorausgesagt haben, in der Mitte die Jungfrau mit dem Kind, und als Krönung des Ganzen die vier Kirchenväter und ganz oben der heilige Michael, der Wächter und Beschützer des Königreichs. Weiter unten, in der Mitte zwischen den beiden Eingangstüren, befindet sich die Statue von Prinz Heinrich dem Seefahrer.

Das Westportal, kleiner als das im Süden, durch das man den heiligen Raum betritt, ist ein Werk von Nicolau Chanterenne. Auf der linken Seite steht, unter dem Schutz des Heiligen Hieronymus, die Statue von König Manuel, dessen Gesicht realistisch nach einem Gispabdruck gemeisselt wurde. Durch den Einfluss der Renaissance verdrängt die Porträtähnlichkeit die idealisierte Schönheit. Auf der rechten Seite die Statue der Königin Maria, seiner Gemahlin, die unter dem Schutz des Heiligen Johannes des Täufers steht. Der obere Bereich des Portals wird von drei Nischen mit Szenen der Geburt Christi eingenommen: die Verkündigung, die Geburt Christi und die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Im Inneren befindet sich der Kirchenraum, ein Meisterwerk des manuelinischen Stils, das von João de Castilho geschaffen wurde. Bemerkenswert ist die kühne technische Leistung, dass das schöne Gewölbe des Querschiffs nicht von Säulen gestützt wird, wodurch ein noch nie dagewesener einheitlicher Raum geschaffen wurde – die erste grosse portugiesische Hallenkirche. Die Kirche hat einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes und besteht aus drei Schiffen aus gleicher Höhe (Hallenkirche), die von einem weitläufigen, von sechs reich ornamentierten Pfeilersäulen getragenen Kreuzgewölbe überspannt wird. Das Gewölbe des Querschiffs erstreckt sich ohne Zwischenstützen über eine Breite von 30 Metern. Die Fülle der Ornamente erreicht in diesem riesigen Raum ihren Höhepunkt. Aus den sechs schlanken, überhohen achteckigen Pfeilersäulen im Langschiff öffnen sich die Rippen wie Palmenzweige, um das Netzgewölbe in 25 m Höhe zu tragen. Hierbei handelt es sich auch um eine statische Meisterleistung, da die Halle immerhin 90 m lang und 27 m breit ist, die Säulen aber nur etwa 1 Meter im Durchmesser besitzen. Durch die reiche Verzierung wirken die Säulen fast schwerelos und ohne tragende Funktion. Trotz dieser grazilen Leichtigkeit hat diese Konstruktion das schwere Erdbeben von 1755, das den unteren Teil der Stadt Lissabon am Tejo zerstört hat, ohne wesentlichen Schaden überstanden. Lediglich die Balustrade und ein Teil des oberen Chors wurden schwer beschädigt, konnten aber schnell wieder instand gesetzt werden. Auch der Baustil veränderte sich mit Castilho: die architektonische Ornamentik war zunächst von der Spätgotik geprägt, öffnete sich aber dann dem spanischen Plateresken-Stil und der Renaissance. Nach ihm übernahm Diogo de Torralva 1540 die Arbeiten (bis 1551) und führte verschiedene Nachbesserungen an den vorherigen Bauten durch. Er baute ein neues Torhaus (das im 17. Jahrhundert ersetzt wurde), entwarf das hohe Chorgestühl und baute den Altarraum um, um die sterblichen Überreste von König Manuel I. unterzubringen. Aber es war Jerónimo de Ruão, der das Gebäude vollendete und von 1563 bis zu seinem Tod im Jahr 1601 als Baumeister des Klosters fungierte. Ihm ist der neue manieristische Chor zu verdanken, der im Gegensatz zum manuelinischen Stil steht, der das restliche Gebäude beherrscht.

Der ursprüngliche Plan folgte dem typischen Grundriss eines Klostergebäudes mit Kirche, Kreuzgang und Nebengebäuden. Das, was wir heute noch in Belém vorfinden, bewahrt die wesentlichen Aspekte des ursprünglichen Grundrisses (16. Jahrhundert). In späterer Zeit wurden zahllose Veränderungen und Ergänzungen vorgenommen, von denen vor allem die im 19. Jahrhundert durchgeführte Umgestaltung zu erwähnen ist, zu der auch der Bau des langen neo-manuelinischen Gebäudes westlich des Klosters gehörte, in dem sich heute das Archäologische Nationalmuseum und ein Teil des Marinemuseums befinden.

In den Seitenkapellen sind die Könige, Prinzen und Prinzessinnen der Nachkommen von Manuel I. begraben. Der Altarraum wurde von Königin Katharina von Kastilien (aus dem Hause Habsburg) als letzte Ruhestätte für die königliche Familie in Auftrag gegeben. In der Hauptkapelle, die später von Jerónimo de Ruão rekonstruiert wurde, befinden sich auf der linken Seite des Chors die Gräber von König Manuel I. und seiner Gemahlin Maria von Aragon, und auf der rechten Seite die Gräber seines Sohn João III. und seiner Gemahlin Katharina von Kastilien. Das Mausoleum wird von Marmor-Elefanten gestützt und die Gemälde mit Szenen aus der Passion Christi und der Anbetung der Könige stammmen von Lourenço de Salzedo. Der Tabernakel aus massivem Silber, ein Werk portugiesischer Goldschmiedekunst aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, verdient besondere Beachtung.

Der zweistäckige Kreuzgang

Am Eingang, unter dem Chorbereich, befinden sich der Kenotaph des Dichters Luís de Camões, Autor des Epos Os Lusíadas, der 1580 an der Pest starb und in einem Massengrab des Armenfriedhofs verscharrt wurde, und das Grabmal von Vasco da Gama, dem Oberbefehlshaber der Armada, die 1497 nach Indien aufbrach. Er starb 1524  als Vizekönig von Indien und wurde zunächst dort beerdigt und danach mehrfach umgebettet. Erst 1880 wurden seine sterblichen Überreste in diesem Ehrengrab beigesetzt.

Vor 1551 wurde in der Empore der Mönchschor errichtet für die grundlegenden Aktivitäten der Mönche des Hieronymus-Ordens (Gebete, Gesänge und religiöse Ämter), da der Kapitelsaal bis ins 19. Jahrhundert unvollendet blieb. Auf der Balustrade des Hochchors steht ein „gekreuzigter Christus“ (1550) des flämischen Bildhauers Philippe de Vries (Filipe Brias); er wurde 1551 vom Infanten D. Luís gestiftet und gilt als Meilenstein des Triumphs der Renaissance in Portugal. Im Chor befindet sich auch ein wundervoll geschnitztes Chorgestühl im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert mit reichhaltiger Schitzornamentik.

Castilhos weitere Meisterleistung ist der zweistöckige Kreuzgang, ein Quadrat von 55 m mit abgestumpften Ecken. Wenn man den Kreuzgang betritt, stößt man auf eine Dekoration mit einer Verschmelzung abendländischer, arabischer und fernöstlicher Kunstelemente, sowie auf weitere Elemente im manuelinischen Stil (der Buchstabe „M“ ist sehr häufig). Der Kreuzgang ist eine Synthese verschiedener Stile, in der sich die Prinzipien der Spätgotik und der Renaissance wirksam widerspiegeln. Der ikonografische Reichtum der dekorativen Elemente ist bemerkenswert: religiöse Symbole (u. a. Elemente der Passion Christi), und königliche Symbole (königliches Wappen, Armillarsphäre – eines der ältesten astronomischen Geräte, das der Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern dient, Kreuz des Militärischen Christusordens) werden mit  naturalistischen Elementen (Seile und Pflanzenmotive, die mit einer noch mittelalterlichen Symbolik fantastischer Tiere einhergehen) miteinander verbunden, die den religiösen und weltlichen Machtanspruch des portugiesischen Königshauses unter Manuel I. versinnbildlichen. Selten gibt es in Europa Gebäude aus dieser Zeit, die eine so reiche, dichte und dekorative Fülle an Bedeutung aufweisen.

Im Nordflügel des unteren Kreuzgangs befindet sich das Grabmal eines der wichtigsten literarischen Figuren des 20. Jahrhunderts – Fernando Pessoa. Außerdem kann man den Museumssaal besichtigen, der einen interessanten Vergleich zwischen der Entwicklung des Klosters und der Geschichte Portugals herstellt. Direkt mit dem Kreuzgang verbunden sind verschiedene Nebenräume, darunter der Kapitelsaal, das Refektorium, die Beichtstühle und die Bibliothek.

Außerdem beherbergt das Kloster im Westflügel, ein ein Anbau aus dem 19. Jahrhundert, das Nationale Archäologische Museum, das die wichtigste archäologische Sammlung des Landes beherbergt, und das Marinemuseum. Hier wurde im Dezember 2007 der Vertrag von Lissabon unterzeichnet, der den Grundstein für die Reform der Europäischen Union legte.

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